Change & Adoption

Microsoft 365 eingeführt – aber kaum jemand nutzt es. Was jetzt?

Dominique Schaerer · Oktober 2026 · ca. 6 Minuten Lesezeit

Kurz gesagt

Wenn Microsoft 365 nach der Einführung kaum genutzt wird, liegt das selten an der Technik. Meist fehlen ein klarer Nutzen im Arbeitsalltag, gemeinsame Regeln für die Zusammenarbeit und Vorgesetzte, die vorangehen. Die gute Nachricht: Das lässt sich auch nachträglich korrigieren – mit einer ehrlichen Bestandesaufnahme, wenigen klaren Spielregeln und gezielter Begleitung.

Die Lizenzen sind bezahlt, Teams ist installiert, SharePoint eingerichtet. Und trotzdem: Dateien landen weiter als Anhang im E-Mail, das alte Laufwerk ist immer noch das «richtige» Ablagesystem, und Teams wird vor allem als Chat genutzt. Viele Organisationen kennen diese Situation – und fragen sich, was schiefgelaufen ist.

Warum es nicht an der Technik liegt

Microsoft 365 ist kein einzelnes Werkzeug, sondern eine neue Art zu arbeiten. Wer bisher Dokumente per E-Mail verschickt hat, soll plötzlich gemeinsam in einer Datei arbeiten. Wer Informationen im eigenen Ordner abgelegt hat, soll sie nun für andere sichtbar ablegen. Das ist eine Verhaltensänderung – und Verhalten ändert sich nicht durch eine Installation.

Typische Ursachen, die ich in Projekten immer wieder sehe:

  • Der Nutzen bleibt abstrakt. Mitarbeitende hören «moderne Zusammenarbeit», sehen aber nicht, was sich für ihre konkrete Aufgabe verbessert.
  • Es fehlen gemeinsame Spielregeln. Wo wird was abgelegt? Wann Chat, wann E-Mail, wann Kanal? Ohne Antworten macht jede und jeder es anders – und am Ende vertraut niemand dem System.
  • Die Einführung war ein IT-Projekt. Die Technik wurde sauber aufgesetzt, aber Fachbereiche, HR und Kommunikation waren kaum beteiligt.
  • Vorgesetzte arbeiten weiter wie bisher. Wenn die Teamleitung Dokumente per Mail verschickt, macht das Team es ihr nach.
  • Die Schulung kam zu früh oder zu allgemein. Eine Einführungsschulung vor dem Start ersetzt keine Begleitung im echten Arbeitsalltag.
Aus der PraxisEin Muster zeigt sich häufig: Mit dem Go-live gilt das Projekt als abgeschlossen, das Projektteam löst sich auf – und genau dann beginnt für die Mitarbeitenden die eigentliche Umstellung. In den ersten Wochen danach entscheidet sich, ob neue Gewohnheiten entstehen oder die alten zurückkehren.

Was jetzt hilft: fünf Schritte

1. Ehrlich hinschauen

Bevor neue Massnahmen geplant werden, braucht es ein klares Bild: Welche Funktionen werden genutzt, welche nicht – und warum? Nutzungsdaten aus dem Microsoft-365-Admin-Center geben erste Hinweise. Wirklich aufschlussreich sind aber kurze Gespräche mit Mitarbeitenden aus verschiedenen Bereichen.

2. Wenige, konkrete Anwendungsfälle wählen

Nicht «Microsoft 365 nutzen» ist das Ziel, sondern zum Beispiel: «Das Team bereitet die Wochenplanung gemeinsam in einer Datei vor statt in fünf Mail-Versionen.» Zwei, drei solcher Anwendungsfälle mit spürbarem Nutzen bewirken mehr als jede Grundlagenschulung.

3. Spielregeln festlegen – und sichtbar machen

Eine einfache Übersicht auf einer Seite genügt oft: Wofür nutzen wir Chat, Kanal, E-Mail? Wo liegen Teamdokumente, wo persönliche Entwürfe? Entscheidend ist, dass diese Regeln gemeinsam entstehen und nicht von oben verordnet werden.

4. Kader und Key User gewinnen

Vorgesetzte prägen die Arbeitsweise ihres Teams stärker als jede Schulung. Ergänzend helfen interne Key User oder «Champions», die Fragen direkt im Team beantworten und als Ansprechpersonen wahrgenommen werden.

5. Begleiten, messen, nachsteuern

Adoption ist kein Projekt mit Enddatum, sondern ein Prozess. Kurze Lernformate im Arbeitsalltag, regelmässige Rückfragen im Team und ein Blick auf die Nutzung nach einigen Wochen zeigen, ob die Veränderung greift – und wo nachgebessert werden muss.

Woran Sie erkennen, dass es funktioniert

Nicht an der Anzahl versendeter Chatnachrichten. Sondern daran, dass Mitarbeitende Informationen schneller finden, weniger Versionen kursieren und neue Kolleginnen und Kollegen sich rascher zurechtfinden. Diese Wirkung lässt sich mit einfachen Fragen im Team überprüfen – vorher und nachher.

Meine EinschätzungOhne sichtbares Engagement von Geschäftsleitung und Kader geht gar nichts. Nicht ein Kick-off-Mail, sondern gelebtes Vorbild: Vorgesetzte, die selbst konsequent in der neuen Umgebung arbeiten – Dokumente teilen statt anhängen, im Kanal informieren statt per E-Mail. Dann folgen die Teams meist von selbst. Fehlt dieses Vorbild, hilft auch die beste Schulung wenig.

Fazit

Eine schwache Nutzung von Microsoft 365 ist kein Zeichen dafür, dass die Investition falsch war. Sie zeigt, dass der zweite Teil der Einführung noch fehlt: der Teil, der die Menschen und ihre Arbeitsweise betrifft. Mit einer ehrlichen Bestandesaufnahme, klaren Anwendungsfällen und gezielter Begleitung lässt sich dieser Teil auch nachträglich nachholen.

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